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Dicle
Dicle ist der große Fluss, der aus Yukarı Mezopotamien fließt und die Geographie, in der die Kürtler leben, von Ende zu Ende durchquert. Sowohl in den antikzeitlichen Grek-Roma-Quellen als auch in den Geographie- und Reisebüchern der İslamî-Periode ist er eine der wichtigsten geografischen Achsen, auf die bei der Beschreibung der Siedlungen, Grenzen und Völker dieser Geographie ständig Bezug genommen wird.
In den Quellen der Antike
In den Quellen der Antike tritt Dicle als Schlüssel zum Verständnis der historischen Geographie der Region hervor; diese Werke enthalten wertvolle Informationen insbesondere über die Siedlungen rund um Dicle und die großen und kleinen Zap-Flüsse sowie über die in dieser Geographie genutzten Routen (Band 1, S. 30). Der Fluss und sein Becken bilden den Rahmen, in dem antike Autoren benachbarte Regionen wie Korduene/Carduene, Zabdicena, Carduena, Rhemena und Zelena verorten (Band 1, S. 37). Im selben Becken werden auch die Namen kleinerer Siedlungseinheiten wie Marde, Savara, Dosa und Gomara in den Quellen verzeichnet (Band 1, S. 35).
Dicle hat gleichzeitig zeitweise als faktische Grenze zwischen dem Roma- und dem Sasani/Pers-Reich gedient; diese Geographie, die östlich des Fırat lag und ständig den Besitzer wechselte, stand im Zentrum der Konflikte und Grenzregelungen zwischen den beiden Reichen (Band 1, S. 39). Die Lage des Flusses war auch ein Maßstab zur Definition der Völker der Region: in den Quellen werden in diesem Zusammenhang die Kriegstechniken und Aufgaben der Deylemîler, die "fern des Dicle-Flusses" an der Persischen Grenze lebten, in der Persischen Armee erwähnt (Band 1, S. 38). Spätantike Quellen geben im Allgemeinen detaillierte Informationen über die Geographie, die zwischen den Flüssen Fırat und Dicle liegt; in diesem Zusammenhang wird berichtet, dass die römische Armee bei ihrem Angriff auf Arzenene/Arzun, indem sie auch den Dicle Nehri überquerte, alles, was ihr in den Weg kam, dem Erdboden gleichmachte (Band 1, S. 56).
In der İslamî-Geographie
In der İslamî-Periode bleibt Dicle die grundlegende Referenz sowohl für die politische Geographie als auch für die Siedlungsgeschichte. Die große geografische Einheit der Region, die unter dem Namen Cezîre bekannt ist, wird direkt nach den Flüssen Dicle und Fırat definiert: Der Memlûk-zeitliche Geograph Ebü'l-Fidâ bestimmt den Umfang der Region, indem er diesen beiden Flüssen folgt, und erklärt, dass sich Cezîre im Norden bis zum Ursprung von Dicle und Fırat erstreckt und im Süden bis zu dem Punkt reicht, an dem Fırat sich Dicle nähert (Band 2, S. 62). Die Siedlungsgebiete der Kürtler-Gemeinschaften werden ebenfalls nach dem Fluss beschrieben; in den Quellen wird die Existenz von Kürtler-Gemeinschaften erwähnt, die in der Region leben, die sich von Cizre bis Dicle erstreckt (Band 2, S. 55).
Die İslamî-Geographieliteratur beschreibt auch das Wasserregime des Dicle detailliert. Diesen Quellen zufolge befinden sich unter den Nebenflüssen des Dicle der Erzen Nehri und der Aşağı Zap, die maßgeblich zur Erhöhung der Wassermenge und des Durchflusses beitragen; es wird festgehalten, dass die Quelle des Aşağı Zap in den Sulk Dağları zwischen Şehrezor und Azerbaycan liegt und er oberhalb von Tikrit in den Fluss mündet (Band 2, S. 85).
In der Stadt- und Persönlichkeitsgeschichte
Der Fluss hat auch in der Stadt- und Persönlichkeitsgeschichte der Region Spuren hinterlassen. Eines der Tore der Stadt Âmid (Amid) trägt den Namen Bâbu'l-Mâ, also "Dicle-Tor", und wird in Ereignissen erwähnt, die mit der Geschichte des Mervânî Devleti zusammenhängen (Band 1, S. 130). Ebenso wird erwähnt, dass der Nastûrî-Gelehrte İliya en-Nasîbînî, da er in Şînâyâ in der Nähe des Dicle geboren wurde, auch unter dem Namen Bar Şînâyâ bekannt ist (Band 1, S. 136).
Quellen
Band 1: Weqfa Ban — Cilt 1 (2023)
Autoren: Muhammet Yücel, Abdurrahman Acar, Nevzat Keleş, Hakan Can, Yusuf Baluken, Bedrettin Basuğuy
Seiten: , , , , , , ,
Band 2: Weqfa Ban — Cilt 2 (2023)
Autoren: İbrahim İbrahimî, Hakan Can
Seiten: , ,
Die Quellen stammen aus der Reihe „Kürt Tarihinin Kaynakları“ (Quellen der kurdischen Geschichte). Reihenherausgeber: Nurettin Beltekin, Serdar Şengül, Ercan Çağlayan.
Verwandte Einträge
Dieser Artikel wurde aus Fragen an unser Archiv zusammengestellt und von einem Fachakademiker geprüft und freigegeben. Alle Angaben sind mit Band und Seite belegt.