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Şerif Paşa
Şerif Paşa ist Anfang des 20. Jahrhunderts eine der umstrittenen Persönlichkeiten der kurdischen politischen Geschichte. Er ist bekannt durch seine diplomatischen Initiativen, die er nach dem Ersten Weltkrieg in Paris unternahm, und seinen Anspruch, im Namen der Kurden auf internationalen Plattformen zu sprechen.
In Archivaufzeichnungen
Der Name von Şerif Paşa erscheint in den Archivklassifikationen, die die Politik des Staates gegenüber Kurdistan in der späten osmanischen Zeit verfolgen, als eine spezielle Überschrift. Innerhalb der Dokumente des Dâhiliye Nezareti wird "Şerif Paşa ve Meşrutiyet hükümeti politikası" direkt als eine Dokumentenkategorie geführt (Band 3, S. 101). Ähnlich wurde auch unter den Dokumenten der Petersburg Sefareti vermerkt, dass Tausende von Dokumenten bezüglich der Politik von Şerif Paşa und den Meşrutiyet hükümetleri gefunden wurden (Band 3, S. 108). Dieser Umstand zeigt, dass seine Aktivitäten sowohl von der osmanischen Innenverwaltung als auch von den Auslandsvertretungen genau verfolgt wurden.
Pariser Friedenskonferenz
Die bekannteste Initiative von Şerif Paşa war sein gemeinsames Vorgehen mit dem armenischen Vertreter Bogos Nubar im Rahmen der 1919 einberufenen Paris Barış Konferansı. Die beiden erklärten anlässlich dieser Konferenz ihre Politik gegenüber Armeniern und Kurden; in dem in Sebilürreşad veröffentlichten Artikel mit dem Titel "Kürdler ve İslamiyet" wurde diese Erklärung offen kritisiert und der Artikel begann mit den Worten "Bogos Nubar ile Şerif Paşa…" (Band 4, S. 210).
Reaktionen und Kritik
Diese Initiative führte in den osmanischen Kreisen der damaligen Zeit zu heftigen Reaktionen. Babanzade Naim Bey erklärte, dass Şerif Paşa "im Namen des kurdischen Volkes eine Befugnis in sich sah und ein solches Unterfangen wagte", er aber nicht akzeptierte, dass er befugt sei, im Namen der Kurden zu sprechen. In seiner Rede betonte Naim Bey, dass die Kurden seit der Zeit von Hz. Ömer in die islamische Gemeinschaft eingetreten sind und ein Volk seien, das "Schwert und Schild des Islam geworden ist", und seine Worte wurden mit "pek doğru"-Rufen unterstützt. Naim Bey fügte hinzu, indem er sagte: "Şerif Paşa'nın Kürtlükle hiç alakası yoktur… Anası, babası Kürt ise de kendisi Kürtlükle alakadar değildir", und ihn als jemanden bezeichnete, der das Kurdentum nicht vertreten könne, woraufhin Müşir Osman Paşa intervenierte (Band 4, S. 317).
Die Initiativen von Şerif Paşa in Paris überschneiden sich auch mit den Reaktionen aus der Region in derselben Zeit. An die Paris Barış Konferansı und die İtilaf Devletleri temsilcileri wurden Telegramme gesendet, die besagten, dass die kurdischen Reis in verschiedenen Kazas der osmanischen Regierung treu ergeben seien und solche Unternehmungen nicht akzeptierten (Band 3, S. 134). Somit tritt die Figur von Şerif Paşa als eines der grundlegenden Beispiele hervor, das zeigt, wie umstritten und vielstimmig die Frage der internationalen Vertretung der Kurden in der späten osmanischen Zeit war.
Quellen
Band 3: Weqfa Ban — Cilt 3 (2023)
Autoren: Hakî Kaya, Uğur Bayraktar, Şeyhmus Bingül, Hüseyin Siyabend Aytemur, Sinan Hakan
Seiten: , ,
Band 4: Weqfa Ban — Cilt 4 (2022)
Autoren: Yasemin Aygün, Şeyhmus Bingül, Maşallah Bingöl
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Die Quellen stammen aus der Reihe „Kürt Tarihinin Kaynakları“ (Quellen der kurdischen Geschichte). Reihenherausgeber: Nurettin Beltekin, Serdar Şengül, Ercan Çağlayan.
Verwandte Einträge
Dieser Artikel wurde aus Fragen an unser Archiv zusammengestellt und von einem Fachakademiker geprüft und freigegeben. Alle Angaben sind mit Band und Seite belegt.