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Mes‘ûdî
Mes‘ûdî (gest. 345/956) ist einer der bedeutendsten Historiker und Geographen der frühen islamischen Periode. Durch die Aufzeichnung detaillierter Informationen über die Herkunft, Stämme, Siedlungsgebiete und die religiös-konfessionelle Identität der Kurden, die in den Werken früherer islamischer Historiker nicht zu finden sind, zählt er zu den wichtigen Primärquellen der kurdischen Geschichte.
Werke
Mes‘ûdî, der eine vielseitige wissenschaftliche Persönlichkeit besaß, hat zahlreiche Werke in den Bereichen Geschichte und Geographie, aber auch Kosmologie, Astrologie, Religions- und Konfessionsgeschichte, Fiqh, Kalam, Philosophie, Ethik und Politik verfasst. Von diesen Werken sind jedoch nur Mürûcü’ẕ-ẕeheb ve meʿâdinü’l-cevher und et-Tenbîh ve’l-işrâf bis heute erhalten geblieben (Band 1, S. 95). Wie er selbst angibt, ist Mürûcü’ẕ-ẕeheb eine ausgewählte Zusammenfassung seiner zuvor verfassten Werke Kitâbü Ahbarü’z-Zamân und Kitâbü’l-Evsât. Im ersten Teil des aus zwei Abschnitten bestehenden Werkes werden verschiedene Themen von enzyklopädischem Charakter behandelt, im zweiten Teil wird die islamische Geschichte von der Zeit des Propheten des Islam bis zur Ära des Abbasiden-Kalifen Mutî‘-lillâh erzählt (Band 1, S. 95). Mes‘ûdî verfasste dieses Werk im Jahr h. 332/m. 943 in Fustat und überarbeitete es zweimal in den Jahren h. 336/m. 947 und h. 345/m. 956 (Band 2, S. 15). In seinem anderen Werk et-Tenbîh ve’l-işrâf behandelt er Themen der Astronomie und Meteorologie und gibt Informationen über die sieben Regionen der Erde und ihre Meere, bevor er die Völker, die in der Weltgeschichte Spuren hinterlassen haben, aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet (Band 2, S. 15).
Die Herkunft der Kurden
Mürûcü’ẕ-ẕeheb enthält wichtige Informationen über die Kurden, die in früheren islamischen Geschichtsquellen nicht zu finden sind; der Name Kurden wird im Werk an vierzehn verschiedenen Stellen erwähnt (Band 1, S. 95). Mes‘ûdî überliefert viele verschiedene Berichte über die Herkunft der Kurden: einem Bericht zufolge haben sich die Kurden in alten Zeiten von anderen getrennt und sich aufgrund der Umstände in die Berge und Täler zurückgezogen, wurden Nachbarn der Acem und Farsen, gaben ihre Sprachen auf, wodurch ihre Sprachen fremd wurden, und jeder Stamm begann, ein anderes Kurdisch zu sprechen; anderen Berichten zufolge stammen sie von Mudar b. Nizar oder Kürd b. Merd b. Sa‘sa‘a b. Hevazin ab oder sind vom Stamm Rebia und Mudar (Band 1, S. 96). Auch in et-Tenbîh ve’l-işrâf geht der Autor auf die Herkunft der Kurden ein und sagt, dass die Kurden ursprünglich von den Söhnen des Rebia b. Nizar abstammen und dies die wahrste Aussage bezüglich ihrer Abstammung sei; er erwähnt auch zwei Stämme namens Yakubiyye und Curkan, die in den Gebieten von Musul und am Cebel-i Cudi leben (Band 2, S. 15).
Kurdische Stämme
Die detaillierten Informationen, die er über kurdische Stämme gibt, umfassen ein sehr weites geografisches Gebiet. Laut Mes‘ûdî gibt es neben sunnitischen und schiitischen muslimischen Kurdenstämmen auch charidschitische Kurden; außerdem gibt es christliche und jakobitische Kurdenstämme. Der Autor vermerkt auch, dass jeder Kurdenstamm einen eigenen Dialekt hat (Band 1, S. 97). Mes‘ûdî erwähnt, dass es 300 kurdische Stämme (Taifen) gibt; ihm zufolge siedeln die Kurden nirgendwo außer in den Bergen, und ihre Wohngebiete sind die Fars-Länder und Bilad-ı Cebel (Band 2, S. 34).
Quellenwert und Kritik
Mes‘ûdî gehört zusammen mit İbn Hurdâzbih, Ya‘kūbî, İbnü’l-Fakīh und İbn Rüste zu den führenden Vertretern der Geographie-Geschichtsschule, die in der frühen Periode Informationen über die Kurden lieferte (Band 2, S. 8). Dennoch sind einige der von ihm überlieferten Berichte über die Herkunft und die historische Vergangenheit der Kurden mythischer Natur (wie die Dehhak-Legende); diese Informationen sowie seine Angaben zur Herkunft der Farsen, Griechen, Türken und Chinesen wurden von heutigen Forschern kritisiert, da sie nicht mit anthropologischen und philologischen Fakten übereinstimmen (Band 2, S. 15). Auch spätere Autoren haben seine Werke genutzt; zum Beispiel Dımaşkî, der bei der Abfassung seines berühmten kosmographischen und geographischen Werkes Nuḫbetü’d-dehr zu den Autoren gehörte, die Mes‘ûdî nutzten (Band 2, S. 33).
Quellen
Band 1: Weqfa Ban — Cilt 1 (2023)
Autoren: Muhammet Yücel, Abdurrahman Acar, Nevzat Keleş, Hakan Can, Yusuf Baluken, Bedrettin Basuğuy
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Band 2: Weqfa Ban — Cilt 2 (2023)
Autoren: İbrahim İbrahimî, Hakan Can
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Die Quellen stammen aus der Reihe „Kürt Tarihinin Kaynakları“ (Quellen der kurdischen Geschichte). Reihenherausgeber: Nurettin Beltekin, Serdar Şengül, Ercan Çağlayan.
Verwandte Einträge
Dieser Artikel wurde aus Fragen an unser Archiv zusammengestellt und von einem Fachakademiker geprüft und freigegeben. Alle Angaben sind mit Band und Seite belegt.